Die nervale Versorgung des Körpers ist hierarchisch organisiert und kann in drei Ebenen eingeteilt werden -
1. Segmentale Ebene (radikulär)
- wird durch die Rückenmarkssegmente und ihre Spinalnerven (Radices) gebildet
- hierzu gehören: Dermatome (Areae radiculares), Myotome
- relevant bei der Diagnostik von Radikulopathien
2. Plexusebene
- in den Plexi kommt es zur Durchmischung der segmentalen Fasern
- es entstehen Trunci, Fasciculi und schließlich periphere Nerven
- segmentale Zuordnung werden zunehmend unschärfer
- relevant bei Plexopathien und Engpasssyndromen (v.a. TOCS)
3. periphernervale Ebene
- nach der Plexusbildung versorgen einzelne Periphernerven die sensiblen Versorgungsgebiete (Areae nervosae) und die Muskulatur
- relevant bei Engpasssyndromen und traumatischen Läsionen
Um differenzieren zu können, ob ein ausstrahlender Schmerz oder eine Nervenläsion vorliegt, oder woher vorliegende Parästhesien stammen könnten, kann es hilfreich sein zu bestimmen, in welchen neuroanatomischen Segmenten die Beschwerden liegen.
Exakte, sichere Zuordnungen sind nicht möglich. Die Segmente überschneiden sich, von Mensch zu Mensch abweichend und Beschwerden sind stark moduliert. Es handelt sich somit nur um Hinweise im Zuge der Befundung.
# Area radicularis
Beschreibt die Versorgungsgebiete der Spinalnerven.
## Dermatome
- sensorisch versorgte Hautoberfläche
- C2-C8, Th1-Th12, L1-L5, S1-S5
C2 - (Hinter-)Kopf
C3 - Hals
C4 - Nacken
C5 - lateraler, lateraler Oberarm
**C6** - radialer Unterarm, **Daumen**/Zeigefinger
**C7** - dorsaler Oberarm, **Mittelfinger**
**C8** - ulnarer Unterarm, Ring-/**Kleinfinger**
Th1 - medialer Oberarm
Th2-Th12 - Thorax bis suprapubisch
L1 - Leiste
L2 - ventraler Oberschenkel
L3 - medialer Oberschenkel
**L4** - medialer Unterschenkel, **Malleolus mediales**
**L5** - **Trochanter major**, lat. Oberschenkel, lat. Knie, ventraler Unterschenkel, Fußrücken, **Großzehe**
S1 - Gesäß, dorsaler Oberschenkel, dorso-lat. Unterschenkel, lateraler Fußrand, Kleinzehe
S2 - dorso-medialer Oberschenkel
### Headsche Zonen
Beschreiben Ausstrahlungsgebiete innerer Organe. Sie erlauben keine präzise Diagnostik der Erkrankung innere Organe, liefern aber im Screening Hinweise auf RedFlags.
Hinweise auf eine viszerale Ursache sind:
- Schmerz nicht mechanisch modulierbar
- diffus, tief, schlecht lokalisierbar
- vegetative Begleitsymptome / Allgemeinsymptome
#### Kardiale Zone
Angina pectoris
- linker Thorax, linker Schultergürtel und Arm
- Dyspnoe, Übelkeit, Schweiß, Angst
## Myotome
Myotome und Kennmuskeln sind überwiegend von einem Spinalnerven innerviert und können bei Schwäche oder Lähmung und Reflexabschwächung auf eine spezifische Nervenläsion hinweisen.
C5 - M. deltoideus + M. biceps brachii - _Bizepssehnenreflex_
C6 - M. extensor carpi radialis - _Brachioradialisreflex_
C7 - M. triceps brachii - _Trizepssehnenreflex_
C8 - M. flexor digitorum
L2 - M. iliopsoas
L3 - M. quadrizeps femoris - Patellarsehnenreflex
L4 - M. tibialis anterior
L5 - M. extensor hallucis
S1 - M. triceps surae - _Achillessehnenreflex_
# Area nervosa
Beschreibt die sensiblen Versorgungsgebiete peripherer Nerven. Sie sind deutlich präziser abgegrenzt als Dermatome. Sie dienen zur Differenzierung einer Radikulopathie gegenüber peripheren Neuropathien und spielen vor allem im Zusammenhang von Engpasssyndromen und Traumen eine Rolle.
## Nervus medianus
Klinik: Karpaltunnelsyndrom / Differenzierung zur Radikulopathie C6/C7
- palmarer Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und ihre Fingerkuppen
## Nervus ulnaris
Klinik: Sulcus-ulnaris-Syndrom / Differenzierung zur Radikulopathie C8
- ulnare Hand, Hypothenar, ulnarer Ringfinger und Kleinfinger
## Nervus radialis
Klinik: Radialisläsion / Differenzierung zur Radikulopathie C6/C7
- dorsoradiale Hand ohne Fingerkuppen