Die "Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit" wurde im Mai 2001 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedet. Der ICF liegt das biopsychosoziale Modell zugrunde.
Sie ist ein internationales Kodiersystem mit dem die Funktionsfähigkeit eines Menschen im Rahmen von Gesundheit klassifiziert werden kann.
Im Gegensatz zur ICF klassifiziert die ICD-10 Gesundheitsprobleme über Diagnosen. Die beiden Systeme "ergänzen einander und Anwender sind aufgerufen, beide Klassifikationen gemeinsam zu verwenden. [...] Informationen über Diagnosen (ICD-10) in Verbindung mit Informationen über die Funktionsfähigkeit (ICF) liefern ein breiteres und angemesseneres Bild über die Gesundheit von Menschen oder Populationen, welches zu Zwecken der Entscheidungsfindung herangezogen werden kann."
Die Ziele der ICF sind wie folgt beschrieben -
- "Sie liefert eine wissenschaftliche Grundlage für das Verstehen und das Studium des Gesundheitszustands und der mit Gesundheit zusammenhängenden Zustände, der Ergebnisse und der Determinanten;
- Sie stellt eine gemeinsame Sprache für die Beschreibung des Gesundheitszustands und der mit Gesundheit zusammenhängenden Zustände zur Verfügung
- Sie ermöglicht Datenvergleiche zwischen Ländern, Disziplinen im Gesundheitswesen, Gesundheitsdiensten sowie im Zeitverlauf;
- Sie stellt ein systematisches Verschlüsselungssystem für Gesundheitsinformationssysteme bereit."
Es werden verschiedene Anwendungsbereiche beschrieben. Für die physiotherapeutische Praxis ist sie vor allem relevant -
- "als Instrument in der gesundheitlichen Versorgung - für die Beurteilung des Bedarfs, die Anpassung von Behandlungen an spezifische Bedingungen, die berufsbezogene Beurteilung, die Rehabilitation und die Ergebnisevaluation."
## Teile und Komponenten
Die ICF hat zwei Teile mit je zwei Komponenten
1. Funktionsfähigkeit und Behinderung
- Körperstrukturen und Körperfunktionen
- Aktivität und Partizipation
2. Kontextfaktoren
- Umweltfaktoren
- Personenbezogene Faktoren
## Funktionale Gesundheit
"Eine Person ist funktional gesund, wenn - vor dem Hintergrund ihrer Kontextfaktoren -
1. ihre körperlichen Funktionen (einschließlich des mentalen Bereichs) und Körperstrukturen denen eines gesunden Menschen entsprechen (Konzepte der Körperfunktionen und strukturen),
2. sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem (ICD) erwartet wird (Konzept der Aktivitäten),
3. sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Körperfunktionen oder -strukturen oder der Aktivitäten erwartet wird (Konzept der Partizipation an Lebensbereichen)."
Die ICF liefert alle relevanten Begriffe, um Gesundheit und Gesundheitsprobleme im Rahmen des biopsychosozialen Modells zu beschreiben und steckt somit im Kern physiotherapeutischer Sprache.
### Funktionsfähigkeit und Behinderung
Funktionsfähigkeit ist der Oberbegriff für alle Funktionen und Aktivitäten sowie die Partizipation und umfasst alle Aspekte der funktionalen Gesundheit.
Behinderung ist der Oberbegriff für Schädigungen und Beeinträchtigungen der Aktivität und Partizipation im Zuge von Gesundheitsproblemen.
Die Funktionsfähigkeit und Behinderung eines Menschen wird als eine dynamische Interaktion zwischen dem Gesundheitsproblem und den Kontextfaktoren aufgefasst.
## Schädigungen
"Eine **Schädigung** ist eine Beeinträchtigung einer Körperfunktion oder -struktur, wie z.B. eine wesentliche Abweichung oder ein Verlust."
- "Schädigungen der Struktur können eine Anomalie, ein Defekt, Verlust oder eine andere wesentliche Abweichung der Körperstruktur sein."
- "Schädigungen stellen eine Abweichung von gewissen, allgemein anerkannten Standards bezüglich des biomedizinischen Zustands des Körpers und seiner Funktionen dar."
- "Schädigungen können Teil oder Ausdruck eines Gesundheitsproblems sein, aber sie weisen nicht notwendigerweise darauf hin, dass eine Krankheit vorliegt oder dass die betroffene Person als krank angesehen werden sollte."
- "Der Begriff der Schädigung ist weiter gefasst als der der Gesundheitsstörung oder Krankheit. Daher ist z.B. der Verlust eines Beines eine Schädigung der Körperstruktur, aber im strengen Sinn keine Gesundheitsstörung oder Krankheit."
- "Schädigungen können andere Schädigungen nach sich ziehen. So kann z.B. ein Mangel an Muskelkraft die Bewegungsfunktionen beeinträchtigen, Herzfunktionen können im Zusammenhang mit Defiziten der Atmungsfunktionen stehen und ein beeinträchtigtes Wahrnehmungsvermögen kann mit Denkfunktionen zusammenhängen."
- "Schädigungen werden in entsprechenden Kategorien klassifiziert - (a) Verlust oder Fehlen, (b) Minderung, (c) zusätzlich oder im Übermaß vorhanden oder (d) Abweichung"
## Beurteilungsmerkmale
## Körperstrukturen und Körperfunktionen
"Körperstrukturen sind anatomische Teile des Körpers wie Organe, Gliedmaßen und ihre Bestandteile."
"Körperfunktionen sind die physiologischen Funktionen von Körpersystemen (einschließlich psychologische Funktionen)."
Strukturen ermöglichen Funktionen. Strukturelle Veränderungen können zu Funktionseinschränkungen führen, können aber auch innerhalb der Belastbarkeit toleriert werden.
### b1: mentale Funktionen
- b110-b139: Globale mentale Funktionen
- b110: Bewusstsein
- Zustand, Kontinuität und Qualität des Bewusstseins; Bewusstseinsverlust, Koma, vegetativer Status (Apallisches Syndrom), Dämmerzustand (Fugue), Trance, Besessenheit, drogeninduzierte Bewusstseinsveränderungen, Delir, Stupor
- b126: Temperament und Persönlichkeit
- Extraversion, Introversion, Umgänglichkeit, Gewissenhaftigkeit, psychische und emotionale Stabilität, Offenheit gegenüber Erfahrungen, **Optimismus**, Neugier, Vertrauen und Zuverlässigkeit
- b130: Psychische Energie und Antrieb
- psychische Energie, **Motivation**, Appetit, Sucht (einschließlich Sucht nach Substanzen, die zu einer Abhängigkeit führen) und Impulskontrolle
- b134: **Schlaf**
- Schlafdauer, Schlafbeginn, Aufrechterhaltung des Schlafs, Schlafqualität, Schlafzyklus; Insomnie, Hypersomnie, Narkolepsie
- etc
- b150-b189: Spezifische mentale Funktionen
- b140: Aufmerksamkeit
- Daueraufmerksamkeit, Wechsel der Aufmerksamkeit, geteilte Aufmerksamkeit, mit anderen geteilte Aufmerksamkeit, Konzentration und Ablenkbarkeit
- b144: Gedächtnis
- Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis, Sofort-, Frisch- und Altgedächtnis, Gedächtnisspanne und Abrufen; Wiedererkennen und Lernen; nominale, selektive und dissoziative Amnesie
- b147: **Psychomotorische Funktionen
- psychomotorische Kontrolle; psychomotorische Retardierung, Erregung und Agitiertheit, Katatonie, Negativismus, Ambitendenz, Echopraxie und Echolalie; Qualität der Psychomotorik
- b152: **Emotion**
- (Situations)Angemessenheit der Emotion, affektive Kontrolle und Schwingungsfähigkeit; Affekt; Trauer, Glück; Liebe, Furcht, Ärger, Hass, Anspannung, Angst, Freude, Sorgen; emotionale Labilität; Affektverflachung
- b156: Wahrnehmung
- visuelle, auditive, olfaktorische, gustatorische, taktile und räumlich-visuelle Wahrnehmung; Halluzination oder Illusion
- b160: Denken
- Tempo, Form, Kontrolle und Inhalt des Denkens; zielgerichtetes und nicht zielgerichtetes Denken; logisches Denken; Gedankendruck, Ideenflüchtigkeit, Denkhemmung, inkohärentes Denken, Vorbeidenken/Vorbeireden, umständliches Denken, Wahn, Zwangsgedanken, Zwangshandlungen
- b176: Durchführung komplexer Bewegungshandlungen
- ideatorische, ideomotorische, Ankleide-, okulomotorische, Sprech-Apraxie
- etc
- etc
### b2: Sinnesfunktionen und Schmerz
- b210-b229: Sehen (Sehsinn)
- b230-b249: Hören (Hörsinn)
- b235: **Vestibulärsinn**
- die Position und den Lagesinn sowie das Körpergleichgewicht und die Bewegung betreffend
- b240: **Mit den Hör- und vestibulären Sinnen verbundene Empfindungen**
- Ohrenklingeln, Reizgefühl im Ohr, Druck im Ohr, Übelkeit in Verbindung mit Schwindelgefühl oder Schwindel
- etc
- b250-b279: Weitere Sinnesfunktionen
- b260: **Propriozeption**
- Wahrnehmung der Körperposition (Statästhesie) und einer Körperbewegung (Kinästhesie)
- b265: Tasten (Tastsinn)
- das Erkennen von Oberflächen sowie deren Beschaffenheit oder Qualität; Taubheitsgefühle, Berührungsunempfindlichkeit (Anästhesie), Kribbelparästhesien, Missempfindungen (Parästhesien), Überempfindlichkeiten (Hyperästhesien)
- b270: **Sinnesfunktionen bezüglich Temperatur und anderer Reize**
- Empfinden von Temperatur, Vibration, Erschütterung oder Schwingungen, oberflächlichem Druck, tiefem Druck, Brennen oder schädlichen Reizen
- b2703: Druck- und Berührungsempfinden
- Inkl.: Funktionsstörungen wie Taubheit, verringerte (Hypästhesie) oder gesteigerte Empfindlichkeit (Hyperästhesie), Kribbelparästhesien und Jucken
- b2703: Wahrnehmung schädlicher Reize
- Inkl.: herabgesetztes oder gesteigertes Schmerzempfinden (Hypalgesie, Hyperpathie), verändertes Schmerzempfinden (Allodynie), aufgehobenes Schmerzempfinden (Analgesie), schmerzhafte Empfindungslosigkeit (Anästhesia dolorosa)
- etc
- etc
- b280-b289: **Schmerz
- b280: Schmerz
- Empfindung eines unangenehmen Gefühls, das mögliche oder tatsächliche Schäden einer Körperstruktur anzeigt
- Allgemeiner oder umschriebener Schmerz in einem oder mehreren Körperteilen, Schmerz in einem Dermatom, stechender, brennender, dumpfer, quälender Schmerz; Muskelschmerz (Myalgie), aufgehobene Schmerzempfindung (Analgesie), gesteigerte Schmerzempfindung (Hyperalgesie)
- etc
- etc
### b4: Funktionen des kardiovaskulären, hämatologischen, Immun- und Atmungssystems
- b410-b429: **kardiovaskuläres System**
- b410: Herz
- Sicherstellung der Blutzufuhr zum Körper durch das Herz mit adäquatem oder erforderlichem Volumen und Druck
- Herzfrequenz, Herzrhythmus und Herzminutenvolumen, Kontraktionskraft der Ventrikel, Herzklappen, Lungenkreislauf, Füllungsdynamik; Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie, Myokarditis, Koronarinsuffizienz, Tachykardie, Bradykardie, Herzrhythmusstörungen
- b415: Blutgefäße
- Arterien, Kapillaren und Venen; Vasomotorik; pulmonale Arterien, Kapillaren und Venen; Venenklappen; Verschluss oder Stenose von Arterien; Atherosklerose; Arteriosklerose; Thromboembolie; Varizen
- b420: Blutdruck
- Blutdruckstabilität; erhöhter und erniedrigter Blutdruck; Funktionsstörungen wie bei Hypotonie, Hypertonie, orthostatischer Blutdruckabfall
- etc
- b430-b439: Hämatologisches und Immunsystems
- b430: Hämatologisches System
- Blutbildung und Knochenmark; Sauerstofftransport des Blutes; Metaboliten-Transport des Blutes; Blutgerinnung; Anämie, Hämophilie und andere Gerinnungsstörungen
- b435: Immunsystems
- Immunantwort (spezifisch und unspezifisch); Hypersensitivität; Lymphknoten und -gefäße; zelluläre und nicht-zelluläre Immunität; Reaktion auf Immunisierung; Autoimmunität; allergische Reaktionen; Lymphadenitis; Lymphödem
- etc
- b440-b449: Atmungssystem
- b440: Atmung
- Atemfrequenz, Atemrhythmus und Atemtiefe; Apnoe; Hyperventilation; unregelmäßige Atmung; paradoxe Atmung; pulmonales Emphysem; Bronchospasmus
- b445: Funktionen der Atemmuskulatur
- thorakale Atemmuskeln; Zwerchfell und Atemhilfsmuskulatur
- etc
- b450-b469: Empfindungen, die das kardiovaskuläre und Atmungssystem betreffen
- b455: kardiorespiratorische Belastbarkeit
- Ausdauerleistung, aerobe Kapazität, Belastbarkeit und Ermüdbarkeit
- b460: Mit dem kardiovaskulären und Atmungssystem verbundene Empfindungen
- Empfindung von Brustenge, Gefühl von unregelmäßigem Herzschlag, Dyspnoe, Luftnot; Erstickungsgefühle, Würgegefühl, Keuchen
- etc
- etc
### b7: neuromuskuloskelettale und bewegungsbezogene Funktionen
- b710-b729: Gelenke und Knochen
- b710: Gelenkbeweglichkeit
- Beweglichkeit eines einzelnen oder mehrerer Gelenke; allgemeine Gelenkbeweglichkeit; Hypermobilität der Gelenke, Gelenksteife, Schultersteife, Gelenkentzündung
- b715: Gelenkstabilität
- Funktionen, die die Aufrechterhaltung der strukturellen Integrität der Gelenke betreffen
- Schulterinstabilität, Gelenkdislokation, Dislokation der Schulter und Hüfte
- b720: Funktionen der Beweglichkeit der Knochen
- Bewegungsumfang und die Leichtigkeit der Bewegung des Schulterblatts, Beckens sowie der Handwurzel- und Fußwurzelknochen
- etc
- b730-b749: Funktionen der Muskeln
- b730: Muskelkraft
- Muskelkraft bestimmter Muskeln oder Muskelgruppen
- b735: Muskeltonus
- Ruhetonus der Muskeln und Widerstand bei passiver Bewegung
- bei Mono-, Hemi-, Para-, Tetraparese und -plegie
- b740: Muskelausdauer
- Aufrechterhaltung der Muskelkontraktion über einen geforderten Zeitraum
- etc
- b750-b789: Funktionen der Bewegung
- b750: Funktionen der motorischen Reflexe
- Streckreflexe, automatische lokale Reflexe, Reflexe durch schädigende Stimuli und andere exterozeptive Stimuli; Schutzreflexe, Bizepssehnenreflex, Radius-Periost-Reflex, Quadrizepsreflex, Patellarsehnenreflex, Achillessehnenreflex
- b755: Unwillkürlichen Bewegungsreaktionen
- Reaktionen auf Lagewechsel, Aufrichtung, Körper-Anpassung sowie Gleichgewichtsreaktionen, Stützreaktionen, Abwehrreaktionen
- b760: Kontrolle von Willkürbewegungen
- Kontrolle einfacher und komplexer Willkürbewegungen, Koordination von Willkürbewegungen, Stütz der Arme oder Beine, motorische Rechts-Links-Koordination, Auge-Hand-Koordination, Auge-Fuß-Koordination; Kontroll- und Koordinationsprobleme, z.B. Dysdiadochokinese
- b765: Unwillkürliche Bewegungen
- Unwillkürliche Muskelkontraktionen; Tremor, Tics, Manierismen, Stereotypien, Perserverationen, Chorea, Athetose, Stimmtics, Dystonische Bewegungen, Dyskinesie
- b770: Bewegungsmuster beim Gehen
- Inkl.: Bewegungsmuster beim Gehen und Rennen; Funktionsstörungen wie spastisches, hemiplegisches, paraplegisches, asymmetrisches Gangbild, Hinken und steifes Gangbild
- b780: Mit den Muskeln und der Bewegung in Zusammenhang stehende Empfindungen
- Empfindungen von Muskelsteifigkeit und Muskelverspannung, von Muskelkrämpfen oder von Muskelanspannung und Schweregefühl der Muskeln
- etc
- etc
## Aktivität und Partizipation
"Aktivität ist die Durchführung einer Aufgabe oder Handlung durch eine Person."
"Partizipation ist das Einbezogensein in eine Lebenssituation."
Funktionen ermöglichen Aktivitäten. Funktionseinschränkungen führen möglicherweise zu Aktivitätseinschränkungen.
### Positionswechsel und Grundmobilität
- Körperposition wechsenl (drehen, aufsetzen, etc)
- Körperposition halten (sitzen, stehen)
- sich umsetzen / transferieren
- etc
### Fortbewegung
- Gehen
- sich auf andere Weise fortbewegen (laufen, klettern, springen, schwimmen)
- sich in verschiedenen Umgebungen fortbewegen (in der eigenen Wohnung, in anderen Gebäuden, draußen)
- sich mit Hilfsmitteln fortbewegen
- Transportmittel benutzen
- etc
### Arm- und Handgebrauch
- Gegenstände heben und tragen
- Gegenstände ziehen oder schieben
- Werfen
- Fangen
- etc
### Selbstversorgung
- Körperpflege
- Toilettenbenutzung
- Ankleiden
- Essen
- etc
## Partizipation
"**Partizipation [Teilhabe]** ist das Einbezogensein in eine Lebenssituation."
Struktur → Funktion → Aktivität → Partizipation
Aktivität → Adaption → Funktion → Struktur
## Kontextfaktoren
"Kontextfaktoren stellen den gesamten Lebenshintergrund eines Menschen dar. Diese können einen Einfluss auf den Menschen mit einem Gesundheitsproblem, auf dessen Gesundheits- und gesundheitsbezogenen Zustand haben."
### Umweltfaktoren
"Umweltfaktoren bilden die materielle, soziale und einstellungsbezogene Umwelt, in der Menschen leben und ihr Leben gestalten. Diese Faktoren liegen außerhalb des Individuums und können seine Leistung als Mitglied der Gesellschaft, seine Leistungsfähigkeit zur Durchführung von Aufgaben bzw. Handlungen oder seine Körperfunktionen und -strukturen positiv oder negativ beeinflussen."
- "Umweltfaktoren stehen in Wechselwirkung mit den Körperfunktionen, vergleichbar den Wechselwirkungen zwischen Luftqualität und Atmen, zwischen Licht und Sehen, Geräuschen und Hören, ablenkenden Reizen und Aufmerksamkeit, Bodenbeschaffenheit und Körperbalance sowie Umgebungstemperatur und Körpertemperaturregulierung."
"Die Einteilung der Umweltfaktoren in der Klassifikation bezieht sich auf zwei verschiedene Ebenen:
1. Ebene des **Individuums**: Hierunter fällt die unmittelbare, persönliche Umwelt eines Menschen einschließlich häuslicher Bereich, Arbeitsplatz und Schule. Diese Ebene umfasst auch die physikalischen und materiellen Gegebenheiten der Umwelt, denen sich eine Person gegenübersieht, sowie den persönlichen Kontakt zu anderen wie zu Familie, Bekannten, Seinesgleichen (Peers) und Fremden
2. Ebene der **Gesellschaft**: Hierunter fallen die formellen und informellen sozialen Strukturen, Dienste und übergreifenden Ansätze oder Systeme in der Gemeinschaft oder Gesellschaft, die einen Einfluss auf Individuen haben. Dieser Aspekt umfasst (1) Organisationen und Dienste bezüglich der Arbeitsumwelt, kommunalen Aktivitäten, Behörden und des Kommunikations- und Verkehrswesens sowie informelle soziale Netzwerke und (2) Gesetze, Vorschriften, formelle und informelle Regeln, Einstellungen und Weltanschauungen."
### Personenbezogene Faktoren
"Personbezogene Faktoren sind der spezielle Hintergrund des Lebens und der Lebensführung eines Menschen und umfassen Gegebenheiten des Menschen, die nicht Teil ihres Gesundheitsproblems oder -zustands sind.
Diese Faktoren können Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Alter, andere Gesundheitsprobleme, Fitness, Lebensstil, Gewohnheiten, Erziehung, Bewältigungsstile, sozialer Hintergrund, Bildung und Ausbildung, Beruf sowie vergangene oder gegenwärtige Erfahrungen (vergangene oder gegenwärtige Ereignisse), allgemeine Verhaltensmuster und Charakter, individuelles psychisches Leistungsvermögen und andere Merkmale umfassen, die in ihrer Gesamtheit oder einzeln bei Behinderung auf jeder Ebene eine Rolle spielen können. Personbezogene Faktoren sind nicht in der ICF klassifiziert."